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Wieviel Retailer steckt eigentlich noch in Amazon?

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Amazon veröffentlichte vergangene Woche bemerkenswerte Ergebnisse für das 4. Quartal sowie für das gesamte Jahr 2015. Der Ansicht ist Autor Jacques Potuijt, unabhängiger Aktien-Forscher, seit 2000 als Finanzanalyst bei ABN Amro tätig und Leiter des Investment Research und Portfoliomanagement bei der Deutschen Bank Amsterdam.

Vergleiche man Amazon mit anderen Internet-Firmen, so hätten diese in der Vergangenheit „echtes Geld“ gemacht. Das Konzept Amazons allerdings sei noch wenig anerkannt, denn nichts sei sicher auf dem Gebiet der Investitionen. Neue Ideen entstünden oft aus unbeabsichtigten Wirkungen.

Wieviel Retailer steckt eigentlich noch in Amazon?

Die Idee

Als Jeff Bezos sein Unternehmen im Jahr 1994 gründete war seine Mission, eine neue, revolutionäre Methode bei der Warenlieferung an die Verbraucher über das Internet zu entwickeln. Irgendwann in der Ausführungsphase dieser Idee hatte Bezos wohl die Einsicht dass Amazon besser dran wäre, all den anderen „Goldgräbern“ seine einmaligen Methoden und Konzepte zu verkaufen. Diese zunächst vage Vorstellung hat er allmählich, und mit jedem einzelnen Schritt immer deutlicher durchgesetzt. Bezos hatte die kristallklare Vision, diese anderen Mitbewerber nicht als Konkurrenten, sondern als Kunden zu sehen.

Die erstaunliche Reihe von Quartalsergebnissen, die Amazon am 28. Januar 2016 veröffentlichte, scheint diese These zu bestätigen. Dienstleistungen wuchsen im vierten Quartal dreimal so schnell (+47%) als der Verkauf von Waren aus Amazons eigenem Bestand (15%), was zu einem Gesamtumsatzwachstum von 36,7 Milliarden US-Dollar führte. Das operative Ergebnis stieg um 87% auf 1,1 Milliarden Dollar. Eine denkwürdige Tatsache, denn es war das erste Mal, dass die operative Marge seit Q1/ 2011 die 3%-Hürde überwunden hatte.

Der Weg

In den ersten Jahren hatte Amazon regelmäßig Steigerungsraten zwischen 4% und 5% sowie 2004 sogar von 6,4%. Das muss der Moment gewesen sein, in dem Bezos seinen Fokus noch darauf gerichtet hatte ein großer Online-Händler zu werden. Als er aber erkannt hatte, dass der reale Wert des Unternehmens in der Erfahrung, dem Wissen und den Systemen aus den Pionierjahren liegt beschloss er, alles zu nutzen und allen weltweit zur Verfügung zu stellen. Damit änderten sich die Dinge endgültig. Diese Idee muss nach 2004 geboren worden sein als Bezos begriff, dass eine operative Marge von etwas mehr als 6,4% wohl das Maximum des Machbaren sein wird. Versand für die Anderen (später FBA: Fulfillment by Amazon) begann relativ früh, dann kam 2006 Amazon Web Services (AWS) als Dienstleistung hinzu.

2010 lag der Waren-Umsatz bei 30,7 Milliarden US-Dollar. Die Services generierten 3,4 Milliarden Dollar. Der Umsatz von Waren stieg zwar in den nächsten fünf Jahren auch, Dienstleistungen wuchsen aber im Durchschnitt jährlich um 52,1%. Diese rasche Expansion der Services musste durch völlig neue, eigen entwickelte Softwarelösungen, Logistik- und Rechenzentren sowie Cloud Computing-Services unterstützt werden. Was tatsächlich los war innerhalb Amazons in dieser Zeit, muss eine komplette Neuerfindung gewesen sein. Das führte natürlich auch dazu, dass die operative Marge auf etwa 1% sank. In den drei Jahren von 2012 bis 2014 führten all dies „Neuerfindungen“ zu einem kombinierten Verlust von 6 Millionen Dollar.

2015 änderte sich das alles

Wieviel Retailer steckt eigentlich noch in Amazon?

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Unter schwierigen Marktbedingungen und extremem Währungsgegenwind beschleunigte sich die Nachfrage nach Dienstleistungen und erreichte mit 46,7% das höchste Wachstum in den letzten drei Jahren. Die gesamte operative Profitabilität explodierte auf 2,2 Milliarden Dollar. Die erste bedeutende Gewinnspanne seit Jahren. Während die operative Gewinnmarge im 4. Quartal 2015 bei 3,1% lag, beträgt sie für das Gesamtjahr 2015 noch bescheidene 2,1%, die Erwartung ist jedoch, dass sich dies schnell ändern wird.

Vermutlich hat der Verkauf der Waren, die in Amazons eigener Regie passiert, kaum bis überhaupt nicht zum Gewinn beigetragen. Die Rentabilität in 2015 basierend auf AWS, den Cloud Computing-Services, betrug 28,6% für das letzte Quartal und 23,7% für das Gesamtjahr.

Der größte Wachstumstreiber jedoch stammt aus den jährlichen Zahlungen der Prime-Abonnements und Zahlungen für eine Reihe von Fulfillment-Dienstleistungen. Man kann aber nur erahnen, wie hoch die operative Marge für diese Aktivitäten gewesen sein muss, doch kann man davon ausgehen, dass die Marge hoch ist, viel höher noch als die meisten Anleger vermuten. Für den Moment, so Potuijt, könne man von einer operativen Marge von rund 10% ausgehen. Diese liegt damit viel höher, als sie jemals mit Einzelhandelsgeschäften hätte erreicht werden können.

2015 könne als das Jahr in die Annalen Amazons eingehen, in dem Amazon tatsächlich auf dem Weg zu einem hoch profitablen Unternehmen sei.