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eBay Deutschland äußert sich zur Kritik am kommenden Bezahlsystem

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Anfang 2012 hat eBay sein Bezahlsystem geändert, das dann im Sommer 2012 für alle eBay-Händler in Kraft treten soll. Der eigentliche Sinn und Zweck: Verbesserung des Käuferschutzes. Doch seit Bekanntwerden der Neuerung hagelt es von vielen Seiten Kritik.

Der Händlerbund kritisiert neben anderen, dass die geänderte Zahlungsart zulasten der Händler gehe, was nicht wirklich im Sinne der Kunden sei. Der Händlerbund bemängelt 5 Punkte, die seiner Ansicht nach durch die Einführung der neuen Zahlungsmethoden für die eBay-Händler entstehen. Axel Gronen, erstes Mitglied im Händlerbund-Beirat, findet einiges mehr, was ihm an dem veränderten Bezahlsystem missfällt.eBay Deutschland äußert sich zur Kritik am kommenden Bezahlsystem

iBusiness hat nun bei eBay nachfragt

eBay selbst sieht die Probleme anders. eBay Deutschland-Sprecherin Maike Fuest: „Aus Verkäufersicht stellt ein geringes Käufervertrauen in den Online-Handel sowie den Handel bei eBay ein signifikantes Risiko für die Verkäufer dar.“ Und dieses Käufervertrauen sollen die veränderten Zahlungsbedingungenen mit sich bringen.

Die Kritiker stellen dies allerdings in Frage. Die Vorwürfe im Einzelnen lauten:

1. Erhöhung der Umsatzprovision um 2%

2. Zahlungsabwicklung

Internet-Händler ohne etablierte Verkaufshistorie erhalten ihr Geld erst 7 Tage nach dem Versand. Etablierte Händler nach einem Tag.

eBay lässt diese Vorwürfe nicht gelten und erklärt: „Ziel der Einführung der neuen Zahlungsabwicklung ist es, das Vertrauen der Käufer in den Handel auf dem eBay-Marktplatz zu stärken und so die Verkaufschancen der Verkäufer zu erhöhen. Es ist in keinster Weise unsere Absicht, private Verkäufer im Rahmen der neuen Zahlungsabwicklung zu benachteiligen“, heißt es in der Stellungnahme des Online-Marktplatzes. „Unsere Daten zeigen allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Transaktion ein Problem auftritt, bei Artikeln von privaten Verkäufern wesentlich höher ist als bei Artikeln von gewerblichen Verkäufern mit einer etablierten Verkaufshistorie.“
Einen der Hauptgründe dafür sieht eBay darin, dass Privatanbieter in erster Linie gebrauchte Artikel verkaufen. Hierbei kommt es häufiger zu Schwierigkeiten zwischen Käufern und Verkäufern als beim Verkauf von Neuware. Aus diesem Grund seien die Auszahlungsfristen für private Verkäufer ein wenig länger als für gewerbliche Verkäufer mit einer etablierten Verkaufshistorie. Im Vergleich zu professionellen Verkäufern ohne eine etablierte Verkaufshistorie seien die Auszahlungsfristen für private Verkäufer allerdings kürzer.

3. Fehlende Datenschutzerklärung

Der Umgang mit den Kundendaten sei nicht geklärt, so lautet eine weitere Anschuldigung. In den USA könne es dadurch zum Verkauf der Daten durch eBay kommen, befürchten der Händlerbund genauso wie Axel Gronen.

eBay sieht das anders: Mit dem neuen Zahlungssystem seien keinerlei Umgestaltungen in der Nutzung und Verarbeitung von Daten gemäß der Datenschutzerklärung des Online-Marktplatzes verbunden.

Maike Fuest: „Die persönlichen Nutzerdaten werden unter Einhaltung höchster Sicherheitsstandards und in Einklang mit den Anforderungen des EU-Datenschutzrechtsrahmens erhoben, verarbeitet und gespeichert. Richtig ist, dass die Daten, wie zuvor auch, in den USA gespeichert werden.“ Unzweifelhaft würden die Daten aber nur unter Einhaltung höchster Sicherheitsstandards transferiert. Die Binding Corporate Rules [Unternehmensregeln für Mitgliedsdaten] eBays würden sicherstellen, dass die Daten in den USA genau den gleich hohen europäischen Sicherheits- und Schutzstandards unterliegen wie in Deutschland. „Eine kommerzielle Nutzung wie zum Beispiel die Zusendung von Werbung erfolgt nur nach ausdrücklicher Einwilligung eines Nutzers“, bekräftigt eBay.

4. Fehlende BaFin-Lizenz [BaFin: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht]

Weder die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, noch die luxemburgische CSSF [Commission de Surveillance du Secteur Financier, das luxemburgische Gegenstück zur BaFin] führen Prüfungen dahingehend durch, ob die Kundengelder richtig zugestellt werden. eBay habe somit freie Hand sowie exklusive Entscheidungsgewalt über mehr als 5 Milliarden Euro Kundengelder deutscher eBay-User, bemängelt der Händlerbund.

eBay hierzu: „Die in Luxemburg zuständige Finanzaufsichtsbehörde CSSF hat das neue Zahlungsverfahren geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich nicht um einen erlaubnispflichtigen Dienst handelt.“

Axel Gronen erhoffte sich das Eingreifen des Bundeskartellamtes im Hinblick auf das neue Zahlungsverfahren, was eBay allerdings nicht befürchtet: „Mit dem neuen Zahlungsverfahren stehen den Käufern eine Vielzahl von Zahlungsmethoden zur Verfügung und der Käuferschutz wurde auf alle Zahlungsmethoden ausgedehnt“, versichert eBay.

5. Technische Probleme

Kommt es zur Rückabwicklung einer Warensendung, so muss eine Überweisung des Händlers an eBay erfolgen. eBay überweist dann andererseits den Artikelpreis einschließlich Hin- und Rücksendekosten an den Käufer. „Ein reibungsloser Ablauf ist aus Erfahrungswerten sehr zweifelhaft“, so die negative Vorhersage des Händlerbunds.

„Zurzeit ist es so, dass im Rahmen des neuen Verfahrens eine Rückabwicklung in vielen Fällen noch direkt zwischen Verkäufer und Käufer erfolgen muss“, gesteht eBay-Sprecherin Maike Fuest hier zu. eBay wolle allerdings in Kürze eine Lösung anbieten, wodurch sämtliche Rückabwicklungen stets über das eBay-System erfolgen können. Es solle dann damit auch möglich sein einen Mehrbetrag, etwa aufgrund von Rücksendekosten, zu erstatten. „Wenn die neue Zahlungsabwicklung im Sommer für den gesamten deutschen eBay-Marktplatz eingeführt wird, wird es möglich sein, auch nach Abschluss der Kaufabwicklung Änderungen an der Gesamtsumme vorzunehmen wie zum Beispiel die Versandkostenpauschale beim Kauf mehrerer Artikel von einem Verkäufer“.

6. Abweichungen von gesetzlichen Bestimmungen
Axel Gronen beanstandet, dass die Bestimmungen des neuen Zahlungsverfahrens von eBay beachtlich von den gesetzlichen abweichen würden, da üblicherweise der Käufer bei privaten Verkäufen das Versandrisiko trage.

Maike Fuest äußert sich hierzu wie folgt: „Auch beim neuen Zahlungsverfahren trägt der private Verkäufer nicht das Versandrisiko. Nach den ergänzenden Geschäftsbedingungen besteht lediglich die Pflicht, eBay gegenüber den Versand des Artikels in bestimmter Weise nachzuweisen [z.B. Sendungsnummer auf der eBay-Seite vermerken], falls der Käufer behauptet, diesen nicht erhalten zu haben.“ Dies stelle „grundsätzlich keine Abweichung von den gesetzlichen Bestimmungen“ dar, denn auch nach den allgemeinen Regeln des Zivilrechts trage der Verkäufer die Beweislast dafür, dass er den Artikel verschickt habe.

Die Erfolgsaussichten des veränderten eBay-Bezahlsystems

Das Fazit des Händlerbundes hinsichtlich des neuen Bezahlsystems von eBay fällt wenig zuversichtlich aus: „Das in Deutschland bereits angekratzte Image wird durch das eBay-Bezahlsystem, dem sogenannten Käuferschutz, wohl kaum verbessert.“

Der Händlerbund vermutet, dass der einzige Grund für die Einführung des Käuferschutzes darin liegt, dass eBay zu Amazon aufschließen möchte, indem man durch verbesserten Kundenservice Nutzer (zurück)-gewinnt. Der Händlerbund ist jedoch der Meinung, dass eBay dieses Ziel mit der neuen Maßnahme nicht erreichen wird.

eBay aber unterstreicht die Vorteile: „Gerade in Deutschland haben die Kunden besonders hohe Sicherheitsbedenken beim Online-Einkauf. Mit der neuen Zahlungsabwicklung kann eBay den Käufern ein noch sichereres und konsistenteres Einkaufserlebnis bieten.“ Den Käufern stehe so für jeden Artikel die gleiche Auswahl an Zahlungsoptionen zur Verfügung. Unabhängig von der gewählten Zahlungsart könne eBay im Rahmen der neuen Zahlungsabwicklung einen vollumfänglichen Käuferschutz für fast alle erworbenen Artikel bieten. Für den Fall, dass der Kunde den Artikel nicht  erhalte oder dieser signifikant von der Artikelbeschreibung abweiche, bekomme der Käufer im Rahmen der neuen Zahlungsabwicklung den Kaufpreis und die Versandkosten von eBay zurück.

eBay beruft sich auf eigens durchgeführte Untersuchungen, welche zeigen, dass die Top 3 Wünsche der Käufer, um eBay als einen sicheren Online-Marktplatz anzusehen folgende seien:

  • Die vorhandene Möglichkeit, das Geld unabhängig von der gewählten Zahlungsmethode zurückzuerhalten,
  • das Angebot eines eBay-Käuferschutzes sowie
  • direkt an eBay bezahlen zu können.

„Vor diesem Hintergrund sind wir überzeugt, dass die Einführung der neuen Zahlungsabwicklung genau der richtige Schritt ist, um das Käufervertrauen zu erhöhen und so auch das Geschäft der Verkäufer zu unterstützen“, rechtfertigt Maike Fuest die Neueinführung.

Axel Gronen hingegen ist sicher, dass eBay damit keines der beabsichtigten Ziele erreichen wird. Der Händlerbund rechnet sogar damit, dass sich die eBay-Händler nach anderweitigen Verkaufsplattformen umschauen werden, womit ebenfalls die Käufer eBay verließen.

Um herauszufinden, wie die Internet-Händler das neue Bezahlsystem tatsächlich  beurteilen und bewerten, führt der Händlerverbund gegenwärtig eine Umfrage zu diesem Thema durch.

Man darf einerseits auf das Ergebnis der Umfrage gespannt sein, auf der anderen Seite äußern sich zu solch strittigen Themen meist nur die Kritiker, die positiv oder neutral gestimmten Verkäufer nehmen an solchen Umfragen meist nicht teil.


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